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Zuletzt aktualisiert 21.07.2017 18:41:26

Bahrnholzkapelle

Vorwort:

Die bürgerliche Gemeinde ist im Besitz der Barnholzkapelle und die Kirchengemeinde ist Besitzerin des Kreuzweges. Da Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrtausends beide Objekte starke Schäden aufwiesen, habe die beiden Eigentümer 1981 beschlossen, im Zuge der Dorfsanierung auch die Restauration der Kapelle und des Kreuzweges durchzuführen. Zur Aufbringung der notwendigen finanziellen Mittel wurde vom 06. - 08. August 1982 ein Straßenfest veranstaltet.

In den Jahren 2003/2004 wurde erneut ein Restauration in Angriff genommen, allerdings überwiegend in Eigenleitung vieler Oberkessacher Bürger und organisiert durch Hermann Salig. Informationen über diese Eigenleistungen können über den Link ganz unten erhalten werden.

Die Barnholzkapelle

Die geschichtlichen Quellen über die Barnholzkapelle sind äßerst spärlich. Folgendes läßt sich durch die Pfarrbeschreibung und Pfarrchronik feststellen:

Die ursprüngliche Kapelle in ihrem ganz schlichten viereckigen Baustil - der Petruskapelle ähnlich - wurde von Privatpersonen als Marienkapelle erbaut und von ihnen unterhalten. Was die Stifter veranlaßt hat, läßt sich nicht mehr feststellen. Es liegt aber die Vermutung eines größeren Notstandes nahe, weil sie zu einer Wallfahrtsstätte geworden ist und das Marienbild infolge Gebetserhörungen als Gnadenbild in der Umgebung verehrt wurde.

Von der Muttergottesstatue berichtet die Pfarrchronik am 29.06.1925, dass sie ungefähr 250 Jahre alt ist, also zwischen 1670 und 1680 erstellt worden ist. Dies könnte dann auch die Entstehungszeit der Kapelle sein.
Um 1920 war die Kapelle laut Pfarrchronik "vollständig verwittert", dass sie abbruchreif war. Da die Kapelle zu diesem Zeitpunkt schon Eigentum der Gemeinde Oberkessach war, hat sie die Gemeinde neu aufbauen lassen und anschließend auch zu einer Gedächtnisstätte für die ca. 60 Gefallenen der Kriege gemacht. Durch zahlreiche ehrenamtliche Helfer und insbesondere durch das Brechen der Natursteine, konnten die Kosten für den Kapellenneubau verhältnismäßig niedrig gehalten werden.

Über die Innenausstattung der Kapelle als Kriegergedächtnisstätte berichtet die Pfarrchronik: "Zuerst sollte MORELL (ein Künstler aus Stuttgart) eine Pieta aus Muschelkalk liefern. Diese kam auf 140.000 Papier-Mark. Sie hat aber schlecht gefallen dem Volk und als sie schon in der neuen Kapelle war, da wurde sie von Bubenhand zerschlagen. Täter unbekannt."
Dann wurde der Bildhauer MAURONER aus Igersheim mit einer Neugestaltung beauftragt. Er hat einen netten kleinen Altar geschaffen mit dem Hauptbild der alten Muttergottesstatue und den Nebenfiguren St. Michael und St. Georg. An den Wänden sind 2 steinerne Tafeln mit den Namen der gefallenen Oberkessacher Kriegsteilnehmer. Zur Kapelle führt ein Weg von der Lourdesgrotte, der mit Linden bepflanzt wurde. Die Kapelle wurde 1923/24 fertiggestellt und eingeweiht.

Zum Ende des 2. Weltkrieges, am Donnerstag, dem 05. April 1945 rückten die Amerikaner in Oberkessach ein. Neben der Kapelle stellten sie ihre Artillerie zum Beschuss von Berlichingen auf. Um freie Schussbahn zu bekommen, fällten sie 2 Linden, die neben der Kapelle standen. Durch die Erschütterungen der Artillerie wurde die Kapelle schwer beschädigt: Die Mauer bekamen Risse, die Dachziegel war alle beschädigt, ebenso die Fenster, die Decke im Innenraum war teilweise eingestürzt.
Die Behebung der Kriegsschäden und die Renovierung der Kapelle erfolgte mit der Errichtung des Kreuzweges 1946/47. Der Maler des Kreuzweges, Andreas BAUER, hat gleichzeitig auch die Kapelle ausgemalt.

1966 mußte die Kapelle wegen auftretender Bauschäden, der zerfallenen Fenster und der schlechten Türe wieder renoviert werden. Ihr heutiger Zustand zeugt noch von der Art der Renovierung. Gleichzeitig wurde das ehrwürdige Gnadenbild der Gottemutter wegen starker Beschädigungen durch den Holzwurm beseitigt und die neue Schutzmantel-Madonna (Ravensburger Madonna) durch die Gemeinde erworben und in der Kapelle aufgestellt. Wegen der großen Diebstahlsgefahr durfte sie nicht mehr in der Kapelle belassen werden. Sie wird an einem sicheren Ort verwahrt.

Der Kreuzweg

Die Pfarrchronik berichtet:

Als Anfang April 1945 die Gefahr des Krieges in den Ortsbereich kam, hat Pfarrer Schwarz - wie er der Gemeinde erklärte und immer wieder erklären wird - vor dem Bild der Gottesmutter - im Geiste im Barnholzkapellchen und im Kapellchen in Schönstatt - und ebenso kniend vor dem Tabernakel als Frucht des Vorschlages eines Gelübdes ... gebetet: "Lieber Heiland und liebe Gottesmutter! Wir wollen uns nicht feige ums Opfer drücken. Wir sind bereit, wie du es willst, oh Gott, den Kreuzweg zu gehen. Dein Wille geschehe! Gib uns die nötige Kraft auf alle Wege!
Wenn du aber mit der Gottesmutter nochmals für uns den Kreuzweg gehen willst, so sind wir dir noch dankbarer und treuer. Als Zeichen und Bekenntnis unserer Opferbereitschaft und unseres Vertrauens auf dich und unsere Mutter will ich sorgen, dass die Gemeinde die 3 Bauernfeiertage, von den Alten in Not versprochen, wider ernst und wahr halten wird, wenigstens mit dem zahlreichen Besuch des Amtes und der Arbeitsruhe bis nach dem Amt; wenn und wann es uns möglich ist, wollen wir zum Kapellchen hinauf einen Kreuzweg errichten; nicht als Zierde, sondern als Zeichen und Mahnung: Kreuzwege sind auch Segenswege Gottes. Der Heiland und die Gottesmutter gehen ihn mit uns und für uns."


Es kam dann wirklich so, dass der Krieg mit all seinen Geschehnissen wie ein Wunder an uns vorüberging. Es war eine wichtige Nachschubabteilung der Heeresgruppe G hier eingetroffen. Gleich am ersten Tage erfolgte ein Tiefangriff auf eine Wagenkolonne, der aber dem Dorf und seinen Einwohnern keine Schaden brachte, wohl aber der Nachschubabteilung. Es waren harte Kämpfe in Osterburken und die deutschen Truppen setzten sich in der Nacht des Osterdienstages nach Oberkessach ab. Am Mittwoch wurde der Feind in Oberkessach erwartet. Dazu waren 7 Soldaten mit 3 Panzerfäusten am Ortseingang oberhalb der Kirche aufgestellt. Die Soldaten hatten den strengen Befehl den Feind bis Mittwoch Abend so zu empfangen und zu erwarten. Man hatte die Amerikaner schon in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erwartet, wie die Soldaten sagten. Aber er kam auch am Mittwoch nicht. Die Soldaten zogen am Mittwoch Abend befehlsgemäß ab und der Amerikaner rückte erst am Donnerstag, 05. April 45 ein, als man kaum mehr daran dachte.
Von hier aus gingen dann die Kämpfe weiter und sie waren im Jagsttal - Berlichingen und Westernhausen - sehr hart. Die Amerikanische Artillerie hatte neben dem Barnholzkapellchen Aufstellung genommen und als sie weg war - in der Zwischenzeit konnte infolge Ausgangsverbot kein Mensch zum viel besuchten Kapellchen gehen - stellte sich heraus, dass außer 2 Linden nur das Kapellchen Schaden davon getragen hatte und zwar so, dass kein Fenster mehr im Kapellchen war, kaum mehr ein ganzer Dachziegel und dass die Decke zum Teil eingestürzt war, am meisten über dem Bild. Der Pfarrer hat in seiner Maipredigt darauf hingewiesen, dass das Kriegskreuz fast sicher allein die Gottesmutter für uns getragen hat.

Alsbald nach dem Kriege galt es, das Gelübde einzulösen. Im Monat Mai 1945 erklärten sich beinahe 200 Familien mit ihrem Namen zum Gelübde. Die wenigen fehlenden Namen hatten vergessen ihren Namen abzugeben.

Der Bau des Kreuzweges wurde während des Winters immer wieder besprochen. so konnte der Fresco-Maler Andreas BAUER in Penzberg gewonnen werden. Für das Äußere Gehäuse fuhr Pfarrer Schwarz nach Grünsfeld bei Lauda. Im Oktober 1946 standen die leeren Stationen. Maler BAUER begann noch im Oktober mit 5 Stationen. Zugleich malte er die Kaplle aus, als Abschluss des Kreuzweges, als Verewigung unseres Gelübdes und als Erneuerung des beschädigten Muttergottesheiligtums.
Im Juni 1947 begann er wieder, um sein Werk zu vollenden und am 27. Juli 1947 weihte unser Pfarrkind, Pater Anton Weber, S.A.C. Generalporkurator und Definitor der Pallotiner in Rom, den Kreuzweg feierlich ein. Die ganze Gemeinde nahm herzlichen und innigen Anteil und hatte Weg und Kapelle schön geziert.

Die Finanzierung war eigentlich ein Leichtes. Es flossen freiwillige Stiftungen in Geld und zur Ernährung des Malers. Über die Hälfte aber hatten der Reinerlös der vielen Theateraufführungen seit Weihnachten 1945 gebracht. Bereits ein Jahr vor der gefürchteten Währung war die ca. 10.000 Reichsmark aufgebracht.